Privater Lebenslauf
(Mit einem Klick auf die im Text enthaltenen Links gelangen Sie zu weiteren Informationen im Internet.) Hilla Jablonsky, geborene Schotten, wird 1922 in Dudweiler/Saar als Älteste von sechs Geschwistern geboren. Sie wächst in Plön, Schleswig Holstein, auf. Der Vater ist Dipl. Landwirt, die Mutter arbeitet als Bankprokuristin. 1942 heiratet sie den Korvettenkapitän Hans Kaschner und bekommt einen Sohn. Im Sommer 1943 ertrinkt Hans Kaschner beim Untergang seines U-Boots im Indischen Ozean. Sie schlägt sich mit Übersetzungsarbeiten durch. In den 50er Jahren beginnt sie eine mehrjährige Werkstattausbildung in Plön bei Alexej von Assaulenko, einem Hilla und Walther Jablonsky (Foto: Klaus Schreiber) ukrainischen Landschafts- und Portraitmaler. 1963 heiratet sie den wesentlich jüngeren Marineoffzier und späteren Kapitän zur See Walter Jablonsky. Er zeigt von Anfang an ein beeindruckendes Verständnis für Höhen und Tiefen ihrer komplexen Künstlerpersönlichkeit. Mit ihm führt sie das typische Leben einer „Marinefrau“. Es ist geprägt durch zahllose Umzüge, die für sie immer wieder zu schmerzlichen Karriereeinbrüchen führen. Das Paar lebt in Bremerhaven, Wilhelmshaven, Neustadt, Bonn, München, Bonn, Brüssel und wieder Bonn. Parallel entwickelt sie eine tiefe Zuneigung zur Küstenlandschaft. Himmel, Wasser, Deich und Watt spiegeln sich in ihren Bildern. 1965 -1967 nimmt sie in Bremerhaven Unterricht bei Cameron Hoover, einem amerikanischen Künstler des abstrakten Expressionismus. Ab 1967 macht sie erste Ausstellungen, darunter auch eine Einzelausstellung in Wien im Palais Palffy. Dort hält sie sich mehrere Wochen auf und lernt den sie hoch beeindruckenden Maler, Dichter, Schauspieler und Kunsthistoriker Albert Paris Gütersloh näher kennen. 1967 trifft sie in Wilhelmshaven auf den Fotografen Klaus Schreiber.
Er betrachtet die Küste mit ähnlichem Blick wie die Künstlerin. Schreiber fotografiert und Jablonsky malt, performt und schreibt erste lyrische Texte zu Familie Jablonsky (Foto: privat) seinen Bildern. Über fast ein halbes Jahrhundert hält er ihr rastloses Schaffen in seinen Fotos fest. 1968 - 1973 unterzieht sie sich der weiteren Ausbildung in Varel bei Franz Radziwill, dem Maler des magischen Realismus. Er ist ein strenger Lehrmeister, der ihr immer wieder die in seinen Augen naturgegebene Minderwertigkeit weiblicher Künstler vorhält. Hier liegt sicherlich eine der wesentlichen Wurzeln für ihr später engagiertes, leidenschaftliches Eintreten für die Rechte der Frau in der Kunst. 1989 zieht sie zum 3. Mal in das vertraute Bonn. Sie kann auf alte Kontakte aufbauen und erfährt hilfreiche Unterstützung in der Arbeitsorganisation durch ihre alte
Weggefährtin Reinhild Jacobsen aus Wilhelmshaven, die inzwischen auch in Bonn lebt. Zunehmend emanzipiert sie sich von ihren Lehrmeistern. Neben den frühen Kreidebildern von Meer, Landschaft und Industrie malt sie Portraits von Personen mit lilablauen Gesichtern – den rasselosen Menschen.Sie macht Malaktionen und Performances. Abstrakter Expressionismus und Informel werden zwangsläufig zu der ihrem spontanen Temperament entsprechenden Ausdrucksform. In Serien erfindet sie ihre Bilder mit Sand und Tee, in die sie lyrische Texte schreibt. Ihre Besucher fordert sie immer wieder auf zu den Bildern Stellung zu beziehen. Sie weigert sich sie zu interpretieren: „Ich will die Phantasie der Menschen nicht besetzen!“ Jablonsky ist Mitbegründerin des Frauenmuseums, arbeitet als Jurorin, hält Vorträge und Einführungen für andere Künstler, illustriert Bücher und verfaßt mehrere Lyrikbände. Bis ins hohe Alter bleibt ihr die Fähigkeit erhalten ihrem Denken und Fühlen gestalterisch Form zu geben. Sie erhält 1989 den Theodor Simon Kunstpreis der Gedok und 1999 die August Macke Medaille der Stadt Bonn.  2011 zeichnen sie  die Ministerinnen a.D. Prof. Dr. Ursula Lehr und Prof. Dr. Süssmuth als Preisträgerin der Initiative Deutschland – Land des langen Lebens aus. Erotische Anspielungen demonstrieren ihren feministischen Anspruch. Über die Jahre entwickelt sie eine sehr persönliche Affinität nicht nur zur Leinwand sondern auch zu Gewebe an sich. Sich kreuzende Fäden werden zu aufgeklebtem Gewebtem, zu Netzen, gesprühten Gittern und reduzieren sich zu großen gemalten Kreuzen, die wie bodenlose Außerirdische mit ausgebreiteten Armen über die Leinwand schweben. Ihre Aussage, ob positiv oder negativ liegt dabei im Auge des Betrachters. Reinhild Jacobsen
Hilla Jablonsky
Stand: 23.10.2018, 18:50
Privater Lebenslauf
(Mit einem Klick auf die im Text enthaltenen Links gelangen Sie zu weiteren Informationen im Internet.) Hilla Jablonsky, geborene Schotten, wird 1922 in Dudweiler/Saar als Älteste von sechs Geschwistern geboren. Sie wächst in Plön, Schleswig Holstein, auf. Der Vater ist Dipl. Landwirt, die Mutter arbeitet als Bankprokuristin. 1942 heiratet sie den Korvettenkapitän Hans Kaschner und bekommt einen Sohn. Im Sommer 1943 ertrinkt Hans Kaschner beim Untergang seines U-Boots im Indischen Ozean. Sie schlägt sich mit Übersetzungsarbeiten durch. In den 50er Jahren beginnt sie eine mehrjährige Werkstattausbildung in Plön bei Alexej von Assaulenko, einem Hilla und Walther Jablonsky (Foto: Klaus Schreiber) ukrainischen Landschafts- und Portraitmaler. 1963 heiratet sie den wesentlich jüngeren Marineoffzier und späteren Kapitän zur See Walter Jablonsky. Er zeigt von Anfang an ein beeindruckendes Verständnis für Höhen und Tiefen ihrer komplexen Künstlerpersönlichkeit. Mit ihm führt sie das typische Leben einer „Marinefrau“. Es ist geprägt durch zahllose Umzüge, die für sie immer wieder zu schmerzlichen Karriereeinbrüchen führen. Das Paar lebt in Bremerhaven, Wilhelmshaven, Neustadt, Bonn, München, Bonn, Brüssel und wieder Bonn. Parallel entwickelt sie eine tiefe Zuneigung zur Küstenlandschaft. Himmel, Wasser, Deich und Watt spiegeln sich in ihren Bildern. 1965 -1967 nimmt sie in Bremerhaven Unterricht bei Cameron Hoover, einem amerikanischen Künstler des abstrakten Expressionismus. Ab 1967 macht sie erste Ausstellungen, darunter auch eine Einzelausstellung in Wien im Palais Palffy. Dort hält sie sich mehrere Wochen auf und lernt den sie hoch beeindruckenden Maler, Dichter, Schauspieler und Kunsthistoriker Albert Paris Gütersloh näher kennen. 1967 trifft sie in Wilhelmshaven auf den Fotografen Klaus Schreiber. Er betrachtet die Küste mit ähnlichem Blick wie die Künstlerin. Schreiber fotografiert und Jablonsky malt, performt und schreibt erste lyrische Texte zu Familie Jablonsky (Foto: privat) seinen Bildern. Über fast ein halbes Jahrhundert hält er ihr rastloses Schaffen in seinen Fotos fest. 1968 - 1973 unterzieht sie sich der weiteren Ausbildung in Varel bei Franz Radziwill, dem Maler des magischen Realismus. Er ist ein strenger Lehrmeister, der ihr immer wieder die in seinen Augen naturgegebene Minderwertigkeit weiblicher Künstler vorhält. Hier liegt sicherlich eine der wesentlichen Wurzeln für ihr später engagiertes, leidenschaftliches Eintreten für die Rechte der Frau in der Kunst. 1989 zieht sie zum 3. Mal in das vertraute Bonn. Sie kann auf alte Kontakte aufbauen und erfährt hilfreiche Unterstützung in der Arbeitsorganisation durch ihre alte Weggefährtin Reinhild Jacobsen aus Wilhelmshaven, die inzwischen auch in Bonn lebt. Zunehmend emanzipiert sie sich von ihren Lehrmeistern. Neben den frühen Kreidebildern von Meer, Landschaft und Industrie malt sie Portraits von Personen mit lilablauen Gesichtern – den rasselosen Menschen.Sie macht Malaktionen und Performances. Abstrakter Expressionismus und Informel werden zwangsläufig zu der ihrem spontanen Temperament entsprechenden Ausdrucksform. In Serien erfindet sie ihre Bilder mit Sand und Tee, in die sie lyrische Texte schreibt. Ihre Besucher fordert sie immer wieder auf zu den Bildern Stellung zu beziehen. Sie weigert sich sie zu interpretieren: „Ich will die Phantasie der Menschen nicht besetzen!“ Jablonsky ist Mitbegründerin des Frauenmuseums, arbeitet als Jurorin, hält Vorträge und Einführungen für andere Künstler, illustriert Bücher und verfaßt mehrere Lyrikbände. Bis ins hohe Alter bleibt ihr die Fähigkeit erhalten ihrem Denken und Fühlen gestalterisch Form zu geben. Sie erhält 1989 den Theodor Simon Kunstpreis der Gedok und 1999 die August Macke Medaille der Stadt Bonn.  2011 zeichnen sie  die Ministerinnen a.D. Prof. Dr. Ursula Lehr und Prof. Dr. Süssmuth als Preisträgerin der Initiative Deutschland – Land des langen Lebens aus. Erotische Anspielungen demonstrieren ihren feministischen Anspruch. Über die Jahre entwickelt sie eine sehr persönliche Affinität nicht nur zur Leinwand sondern auch zu Gewebe an sich. Sich kreuzende Fäden werden zu aufgeklebtem Gewebtem, zu Netzen, gesprühten Gittern und reduzieren sich zu großen gemalten Kreuzen, die wie bodenlose Außerirdische mit ausgebreiteten Armen über die Leinwand schweben. Ihre Aussage, ob positiv oder negativ liegt dabei im Auge des Betrachters. (Reinhild Jacobsen)
Hilla Jablonsky
Stand: 23.10.2018, 18:50